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Adipositas: Sparen kann für den Staat teuer werden

Adipositas: Sparen kann für den Staat teuer werden

politico.eu 19.10.2026 14:04 3 views
Adipositas wird in Deutschland vor allem als medizinisches oder individuelles Problem diskutiert. Doch die Erkrankung hat erhebliche wirtschaftliche Folgen. Der Blick ins Ausland zeigt, dass die politische Debatte über d

Tobias Effertz und seiner Kollegen verursacht Adipositas in Deutschland jährlich rund 63 Milliarden Euro an Kosten. Knapp 29 Milliarden Euro entfallen auf direkte medizinische Ausgaben, etwa für Arztbesuche, Behandlungen und Rehabilitation. Rund 34 Milliarden Euro entstehen indirekt durch krankheitsbedingte Fehlzeiten, eingeschränkte Leistungsfähigkeit oder vorzeitige Verrentung.

Mit diesen Zahlen stehen die Wissenschaftler nicht allein, auch das WifOR Institut kommt zu einer vergleichbaren Größenordnung. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina veranschlagt die Belastung für Übergewicht und Adipositas unter Einbeziehung weiterer Kosten sogar deutlich höher. Die Studien unterscheiden sich je nach Methodik.

Doch eines zeigen sie übereinstimmend: Die wirtschaftliche Dimension der Erkrankung geht weit über die Ausgaben einzelner Krankenkassen hinaus. Adipositas ist keine reine Lifestyle-Frage. Die chronische Erkrankung entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, genetischer, sozialer und umweltbezogener Faktoren.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts lebt inzwischen etwa jeder fünfte Erwachsene in Deutschland mit Adipositas. Zu Beginn der 2000er-Jahre lag der Anteil mit etwa 12 Prozent noch deutlich niedriger. Die Leopoldina spricht deshalb bereits von einer „Adipositas-Epidemie“.

Der englische Weg der Adipositas-Versorgung Das deutsche Gesundheitssystem beschränkt sich auf die Behandlung von Folgeerkrankungen der Adipositas, etwa Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Deren Behandlung ist medizinisch notwendig. Die politische Frage lautet jedoch, ob es auf Dauer wirtschaftlich sinnvoll ist, vor allem die Folgen der Adipositas zu finanzieren, anstatt Adipositas direkt zu behandeln.

Das ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und mangelnder Fachkräfte besonders relevant. Eine vom Institut der deutschen Wirtschaft veröffentlichte Prognose geht davon aus, dass Deutschland bis 2036 rund 4,3 Millionen Arbeitskräfte fehlen könnten. Adipositas ist nicht die Ursache des Fachkräftemangels und auch nicht die alleinige Lösung.

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