BERLIN – Im November startet am Kottbusser Tor in Berlin die KI-gestützte Videoüberwachung. 30 Kameras sollen den Platz rund um die Uhr erfassen und mögliche Gewalttaten oder Notfälle automatisch erkennen. Nach einem „Probe-Echtbetrieb“ soll das System Anfang Dezember in den regulären Betrieb gehen. Das Kottbusser Tor ist einer von sieben sogenannten kriminalitätsbelasteten Orten in Berlin.
Die rechtliche Grundlage für den KI-Einsatz hat Schwarz-Rot mit der Reform des Allgemeinen Sicherheits- und Ordnungsgesetzes geschaffen. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) begründete den Schritt bei der Vorstellung am Mittwoch mit der Kriminalitätslage: In den vergangenen zwölf Monaten seien im Bereich Kottbusser Tor mehr als 900 Straftaten registriert worden, darunter mehr als 300 körperliche Angriffe. „Wir wollen Gefahren oder problematische Situationen früher erkennen, schnell reagieren und Menschen selbstverständlich damit Schutz geben“, sagte Spranger. Wie das aussehen soll, demonstriert die Polizei gleich selbst.
Draußen unter den Kameras führen Statisten eine Auseinandersetzung vor, drinnen in der Polizeiwache schlägt das System Alarm. Auf einem zuvor schwarzen Monitor erscheint das Videobild. Ob die Polizei tatsächlich eingreift, entscheidet der Beamte am Monitor.
Die KI analysiert das Videomaterial fortlaufend auf bestimmte Bewegungsmuster. Dafür abstrahiert sie die abgebildeten Personen vereinfacht zu einer Art „Strichmännchen“ und wertet deren Bewegungen aus. So soll sie etwa Schläge, Tritte oder eine am Boden liegende Person erkennen.
Hält das System eine Situation für auffällig, schlägt es Alarm. Die Darstellung als „Strichmännchen“ betrifft allerdings nur die Analyse durch die KI. Bei der Vorführung in der Polizeiwache zeigt sich: Die Beamten sehen nach einem Alarm das normale Videobild, auf dem Personen zu erkennen sind.
Auf Nachfrage erklärt Polizeidirektionsleiter Markus van Stegen, die Beamten bekämen „natürlich richtige Bilder“ zu sehen, weil sie für ihre Entscheidung „das Maximum an Information“ benötigten. Auch Spranger räumt in der Fragerunde ein, dass ihre vorherige Darstellung – die Bilder blieben anonymisiert – so nicht richtig gewesen sei. Die Videoaufnahmen werden zudem für 28 Tage gespeichert.
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